Alleinerziehend – von der Gesellschaft im Stich gelassen

Ein sonniger Tag, durch die Fenster des Altbaus, werden die Chromglänzenden Stühle die auf den Holzfußboden stehen, erhellt. Acrylbilder in Pink und Rot hängen neben dem Bild des dicken braunen Pferdes an den Wänden. Die dreißigjährige Nicole Lübbe, nimmt das Bild mit dem Pferd von der Wand und sagt, dass dies ihre Tochter Sophie gemalt hat. Nicole ist Geschäftsführerin einer Kölner Werbefirma und hat eine wunderbare Tochter, jedoch hat sie große Probleme, denn sie ist eine alleinerziehende Mutter.

Alleinerziehend mit einem Kind

Alleinerziehend mit einem Kind

Als Sophie noch ein Baby im Alter von vier Monaten war, zerbrach Nicoles Beziehung mit ihrem Partner. Seitdem schlägt sie sich mit ihrer Tochter alleine durch das Leben. Es ist ein Balanceakt, die Kinderbetreuung ihrer Tochter zu organisieren, Au-pair Mädchen, die ohne Ankündigung ihren Job schmeißen, Kitas die bereits um 16 Uhr ihre Pforten schließen und Schulen, die die Kinder nach Hause schicken, wenn Lehrer erkranken. Im Berufsleben haben es Alleinerziehende auch nicht leicht, Dienstreisen ohne Vorankündigung und Vorgesetzte, die ihre Mitarbeiter gerne bis abends in den Büros sehen, ohne Rücksicht auf zuhause wartende Kinder. Es ist das stetig schlechte Gewissen, nur nichts zu vergessen, oder dass irgendetwas zu kurz kommt, der Job genauso, wie die abendliche Kuschelstunde. Vor lauter Stress, ist die berufstätige Mutter in den ersten Jahren mehrmals zusammengebrochen und fand sich selbst im Krankenhaus wieder. Lange Zeit habe sie überlegt, Deutschland zu verlassen, da sich die Situation für Alleinerziehende hier so schwierig gestaltet.
Szeneviertel im Westen von Hamburg, inmitten von Galerien , Restaurants in Gründerzeithäusern und Schmuckläden. In einem schlichten sozialen Wohnungsbau, in einer ruhigen Seitenstraße, wohnt Katja Schepanski mit ihrem Sohn Felix, im dritten Stock. Felix kommt gerade zur Tür herein und Katja streicht ihm liebevoll über den Kopf. Felix sei das Beste, was sie habe, aber ihn in Armut aufwachsen zu sehen, ist für sie nur schwer zu ertragen. Seit der Geburt von Norbert lebt die Familie am Existenzminimum. Die ewige Grübelei, wenn Felix ein Geburtstagsgeschenk, oder eine neue Jacke braucht ist Kräfte zehrend. Es geht uns schlecht, gesteht die dreiunddreißigjährige Katja, die von Beruf Erzieherin ist. Nach Abzug von Monatskarte, Strom und Miete bleiben rund 500 Euro zum Leben. Der Betrag hat einen Namen, Hartz IV.



Definition – was bedeutet Alleinerziehend?

In Deutschland sind Alleinerziehende längst keine Seltenheit mehr. Mittlerweile ziehen rund 2,2 Millionen Mütter ihre Kinder alleine auf. Jede fünfte Familie mit Kindern besteht nur aus einem Elternteil, von denen 87 Prozent Frauen sind. Einer Word Vision Studie zur Situation von Kindern in Deutschland zufolge, leben 17 Prozent aller Kinder zwischen drei und zwölf Jahren in einer kleinen Familie. In Großstädten stammt die Hälfte der Kinder einiger Grundschulen aus Familien mit nur einem Elternteil. Mit steigender Tendenz. Und die Alleinerziehenden haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen, mit denen sie zum größten Teil alleine gelassen werden.

So gesehen, hat Katja Schepanski eigentlich alles richtig gemacht, seitdem sie bei Ihren Eltern auszog. Nach der Schule absolvierte sie ein soziales Jahr, anschließend eine Erzieherinnenfachschule und arbeitete dann in verschiedenen Kindergärten. Das Problem war, dass sie mit 21 Jahren von ihrem damaligen Freund, der zu sehr mit sich selbst beschäftigt war, als ein Kind zu wollen, schwanger wurde. Dies katapultierte sie an den Rand der Gesellschaft. Mit acht Monaten brachte Katja Felix zu einer Tagesmutter, damit sie ihre Ausbildung beenden konnte, jedoch fand sie trotzdem nie eine Festanstellung. In Vorstellungsgesprächen, kam immer wieder die Frage auf, wer auf das Kind aufpasst, wenn es krank wird. Nun hält sie sich mit befristeten Jobs, Teilzeitarbeit und ergänzender Sozialhilfe und Wohngeld über Wasser.

Hilfe für Alleinerziehende

Wer mit einem oder mehreren Kinder alleinerziehend ist, hat viel zu tun. Hinzu kommen häufig noch ständige finanzielle Engpässe, da sich eine (Vollzeit-) Anstellung und die Erziehung von Kindern nur besonders schwierig vereinbaren lassen. Umso wichtiger ist es, hilfreiche Anlaufstellen, Tipps und Informationen über eine mögliche Förderung zu kennen.

Auch wenn vieles wie ein undurchdringlicher Dschungel aus Vorschriften und Formularen wirkt, sollte man sich nicht entmutigen lassen. Es gibt Hilfe, beispielsweise ist die Beratung bei lokalen Beratungsstellen für Alleinerziehende im Normalfall kostenlos. Ebenso bei einem Ortsverband des VAMV ( Verband allein erziehender Mütter und Väter ).

Elterngeld

–          Wenn das Kind im Haushalt lebt, steht das monatliche Kindergeld für das Kind zu

–          Selbstverständlich bekommt ein alleinerziehender Vater oder eine Mutter ebenso das aus dem Vorjahr errechnete Elterngeld.

Die gesetzlichen Leistungen für alle Erwerbsfähigen

Die Pflege-, Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge werden für Arbeitslosengeld II Empfänger bezahlt. Speziell alleinerziehende Elternteile profitieren hiervon. Mit dem Ziel schnellstmöglich wieder in eine Beschäftigung vermittelt zu werden, erhalten erwerbsfähige Arbeitslosengeld II Empfänger Zugang zu den Leistungen der Bundesagentur für Arbeit. Vorrangig ist damit die Vermittlung von Kinderbetreuung beispielsweise für Alleinerziehende verbunden.

Mehrbedarfszuschläge für alle Alleinerziehenden

Ein Mehrbedarfszuschlag, aufgrund ihrer besonderen Haushaltssituation steht in jedem Fall Alleinerziehenden, die Anspruch auf Grundsicherung für Arbeitssuchende, oder auf Sozialhilfe haben und für die Pflege und Erziehung von mindestens einem in ihrem Haushalt lebenden Kind verantwortlich sind. Unerheblich ist dabei, ob die Eltern ein gemeinsames Sorgerecht ausüben. Ein Mehrbedarfszuschlag von 12 Prozent des Eckregelsatzes pro Kind wird grundsätzlich alleinerziehenden gezahlt, die Arbeitslosengeld II, oder Sozialhilfe beziehen. Abweichend hiervon werden zwei Kindern unter 16 Jahren, oder einem Kind unter sieben Jahren, ein Mehrbedarf von 36 Prozent des Eckregelsatzes von 345 Euro anerkannt. Ein Mehrbedarfszuschlag wird jedoch bis nur bis maximal 60 Prozent gezahlt. Ein Beispiel:  Eine alleinerziehende Mutter mit einem achtjährigen Kind bekommt insgesamt 593 Euro. Nebenbei besteht ein Anspruch auf die Erstattung der Unterhaltskosten.

Hilfestellung bei der Kinderbetreuung

Wenn endlich eine Arbeit in Aussicht steht, fragen sich viele wie sie die Kinderbetreuung finanzieren sollen. Hier lohnt es sich nachzufragen, da alleinerziehende Mütter und Väter bei den Betreuungskosten Hilfe bekommen können. Welche Unterstützungen und welche Kosten unter welchen Bedingen übernommen werden, erfährt man von dem jeweiligen Jugendamt. Wie viel und welche Unterstützung man erhält, hängt von dem Einkommen ab.

So bekommt man Unterhaltsvorschuss

Wenn ein Elternteil dem Kind Unterhalt schuldet, kann das Jugendamt einspringen. Hierbei geht es nur um den Unterhalt für das Kind und nicht um den Unterhalt für einen der Elternteile.

Am 01.01.2010 wurde der staatliche Unterhaltsvorschuss für Kinder getrennt lebender Eltern erhöht: Von 117 Euro auf 133 Euro für Kinder bis fünf Jahre und von 158 Euro auf 180 Euro für die 6- bis 11-Jährigen.

Tipp: Auf der VAMV Webseite kann man sich die Düsseldorfer-, sowie die Berliner Tabelle herunter laden. Sie sind eine Orientierungshilfe zur Höhe des Kindesunterhaltes, welcher vom Einkommen des Unterhaltspflichtigen abhängig ist.

Ab wann kann man Sozialhilfe beantragen?

Wenn man die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt. Beispielsweise wenn man zu wenig Unterhalt von dem anderen Elternteil des Kindes bekommt, oder man selbst keiner Beschäftigung nachkommen kann, da man sich um die Betreuung des Kindes kümmert. Hier wird nach Einzelfall entschieden, es ist ratsam sich frühzeitig beraten zu lassen. Eingeordnet ist man in die Steuerklasse 2.

Auch Wohngeld ist möglich

Unter Umständen ist bei geringen Einkommen auch ein Wohngeld möglich. Dies soll dazu beitragen, die Wohnkosten zu tragen. Es lohnt sich in jedem Fall, danach zu fragen wenn man der Meinung ist, dass man einen Anspruch darauf haben könnte. Die Wohngeldstellen der Städten und Gemeinden sind hier der richtige Ansprechpartner.

Hilfe aus sozialen Stiftungen

Sollte es einmal besonders eng sein und kein Geld aus staatlichen Einrichtungen in Sicht sein, kann man sich als letzte Möglichkeit im Einzelfall auch an Stiftungen wenden. Beispielsweise bei Babysachen, oder bei einer dringend nötigen Renovierung der Wohnung. Auf Geldern aus Stiftungen besteht jedoch kein Anspruch. An wen man sich, bei den bestimmten Situationen am besten wendet, erfährt man bei den katholischen und evangelischen Beratungsstellen (Caritas und Diakonie), dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, Pro Familia, oder der Arbeiterwohlfahrt. Die lokalen Adressen erfährt man aus dem Telefonbuch, oder dem Internet.



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